VIEL RAUCH UM NICHTS

Die österreichischen Jugendlichen rauchen zu viel! In keinem anderen Land in Europa greifen so viele 12- bis 18-Jährige regelmäßig zum Tabak wie in Österreich. Der Statistik Austria zufolge bezeichnen sich 27 Prozent der Minderjährigen als aktive Raucher, wobei die Mädchen mit 29 Prozent die Nase vorne haben, bei den Buben sind es 25 Prozent. Das liest und hört man immer von Gesundheitsexperten, Ärzten, Pädagogen und Politikern, die regelmäßig Alarm schlagen und mehr Prävention auf diesem Gebiet fordern. Dass sie damit recht haben, steht außer Zweifel. Jede Zigarette, die sich ein junger Mensch anzündet, ist um die eine zu viel. Der erste Glimmstängel schmeckt zwar nicht, aber es gilt als cool und zugleich erwachsen, wenn man mitmacht in der Gruppe. Und wer will in diesem Alter nicht mit dabei sein, wenn es darum geht zu zeigen, dass man den Kinderschuhen längst entwachsen ist.
Die erste Zigarette ist aber auch eine Einstiegsdroge. Acht von zehn erwachsenen Rauchern haben bei einer repräsentativen Umfrage angegeben, dass sie bereits als Jugendliche geraucht haben. Nun ist der Tabakkonsum zwar erst ab 16 Jahren erlaubt, doch um Verbote haben sich ganze Generationen von Kindern noch nie geschert, wenn es darum ging, Rauch in die Luft zu blasen und sich dabei frei von Zwängen, die einen die Erwachsenen in diesem Alter aufbrummen, zu fühlen. Man muss ohnehin so vieles machen, was man gar nicht tun will, wie etwa in die Schule gehen, gute Noten heimbringen oder vor Mitternacht im Bett sein, was aber dank Internet und Computerspielen nicht immer gelingt. Rauchen ist also bei einem Drittel der österreichischen Kinder und Jugendlichen absolut „in“, auch wenn es bei vielen Erwachsenen immer mehr verpönt ist, den Qualm sinnlos in die Luft zu blasen.
Gesetzliches Rauchverbot bis 18 Jahren
Nun hat die österreichische Regierung nach einem jahrelangen Verharren in der Schockstarre endlich reagiert und will etwas dagegen unternehmen. Und man höre und staune, was dabei herauskommen soll: ein bundesweites Rauchverbot bis 18 Jahren. Also erst mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter soll es gestattet sein, Geld für Zigaretten auszugeben und diese auch zu konsumieren. Wobei es schon beachtlich ist, dass eine österreichweite Regelung angestrebt wird, ist doch der Jugendschutz Ländersache. Deshalb gibt es auch zwischen dem Bodensee und dem Neusiedler See verschiedene Jugendschutzgesetze, aber immerhin beim Rauchen hat man einen Konsens gefunden. Somit hat jedes Bundesland festgelegt, dass Nikotin erst ab 16 Jahren erlaubt ist. Dass das Alter nun um zwei Jahre angehoben werden soll, ist eine gute Idee, und man könnte tief durchatmen und dann hinzufügen: endlich einmal.
Zweierlei Maß
Man könnte! Aber leider geht die Politik, wenn es um den Konsum von Alkohol geht, nicht so kreativ und entschlossen vor, hier wird anscheinend mit zweierlei Maß gemessen. Auch hier zählen die österreichischen Jugendlichen europaweit zu den Spitzenreitern, wenn es darum geht, sich einen Rausch anzutrinken oder sich gleich ins Koma zu saufen. Auch beim Alkohol gilt, was auch beim Tabak gilt: Der erste Kontakt schmeckt scheußlich, aber es wirkt cool und erwachsen, wenn man ein prall gefühltes Glas in der Hand hält und es vor seinen Freunden möglichst in einem Zug austrinkt und gleich danach wieder zur Flasche greift. Dass es weniger cool ist, wenn man nach so einem Besäufnis mit einer Windelhose versehen in der Intensivstation eines Krankenhauses aufwacht, bedenkt freilich niemand der jungen Trinker, diese Erfahrung ergibt sich halt und wird so gut es geht auch nicht weitererzählt, weil man damit kaum prahlen kann.
Alk-Patienten werden immer jünger
Ähnlich wie beim Tabakkonsum der Jugendlichen schlagen auch hier Gesundheits- und Suchtexperten schon seit Jahren Alarm und warnen vor den gesundheitlichen und (späteren) sozialen Folgen. Denn so wie beim Rauchen auch ist der erste Konsum von Alkohol nicht selten eine Eintrittskarte für eine spätere Suchtkarriere. Wenn wir von „Alk-Info“ mit Therapeuten von Suchtkliniken sprechen, bekommen wir immer zu hören, dass die Patienten immer jünger werden, sogar 14- oder 15-Jährige sind mitunter schon reif für eine Alkoholtherapie, finden aber keinen Platz, weil die meisten Kliniken – wovon es in Österreich ohnehin viel zu wenige gibt – keine Minderjährigen aufnehmen. Und so werden die jungen Säufer alleine gelassen mit ihrer Sucht und den damit verbundenen Folgen wie Schulabbruch, Verlust der Lehrstelle und den gesundheitlichen Risiken. Ein junger Körper reagiert noch sensibler auf eine Droge wie ein erwachsener. Und dass Jugendliche in drei österreichischen Bundesländern (Wien, Niederösterreich, Burgenland) bereits ab 16 Jahren zu Wodka, Schnaps oder anderen Spirituosen greifen dürfen, ist schlicht ein Skandal!
Doch hört man hier etwas von der Politik? Wird endlich reagiert und ein bundesweites Verbot von harten Getränken bis 18 Jahren angedacht? Leider Fehlanzeige! Es bleibt beim hin und wieder stattfindenden Jammern über diese unrühmliche Tatsache, doch außer Lippenbekenntnissen, dass man etwas unternehmen soll, ist nichts zu vernehmen.
Starke Alkohollobby?
Hier müsste dringend etwas von Seiten der Gesetzgebung geschehen, doch anders als beim Rauchen verschließen die zuständigen Politiker die Augen. Ob es daran liegt, dass die Alkohollobby vielleicht stärker ist als die der Tabakindustrie? Oder liegt es daran, weil es schon seit Jahren schick ist, Rauchverbote zu erlassen, aber pfui ist, etwas gegen das Saufen zu unternehmen? Man will ja niemanden den Spaß nehmen! Deshalb wird auf eine Kampagne gegen den jugendlichen Alkoholkonsum ebenso verzichtet wie auf eine flächendeckende Prävention und Therapie speziell gegen junge Alkoholleichen.
Sanft entschlafen
Wenn sich die österreichische Gesundheitspolitik ernst nimmt, dann müsste sie endlich auch hier reagieren, denn bisher ist ein bisschen Qualm nicht viel dabei herausgekommen, wenn es darum geht, die Jugend vor den Gefahren eines Alkoholmissbrauchs zu schützen. Die Zeche dafür wird irgendwann einmal in Form von Arbeitslosigkeit und Frührente bezahlt werden, aber was kümmert es uns dies heute? Übrigens: Im Jahr 2014 wurde von der Stadt Wien großspurig die Aktion „Alkohol 2020“ angekündigt, die sehr ambitioniert klang, wurde doch mehr Prävention für Jugendliche in Aussicht gestellt, „Alk-Info“ berichtete bereits mehrmals darüber. Doch mittlerweile ist dies Aktion wieder sanft entschlafen und außer ein paar ambulante Verbesserungen in puncto Therapie ist, wie man hört, bisher nicht wirklich etwas geschehen. Schade dass, wenn es um den Alkoholkonsum der Jungen geht, nicht ähnlich konsequent reagiert wird wie beim jugendlichen Rauchen.

Ihr Harald Frohnwieser