Co-Abhängigkeit – Was Sucht für die Familie bedeutet / Verlag: LambertusBuch

Monika Rennert

Co-Abhängigkeit – Was Sucht für die Familie bedeutet

Die Autorin hat einen überaus angenehmen Stil, was bereits beim Vorwort erkennbar ist. Sie zeigt darin eine weit verbreitete Diskrepanz auf, und zwar die Meinung, dass ein Drogenanhänger (Alkohol oder illegale Drogen) in jeder guten Familie vorkommen kann oder dass diese Abhängigkeit des Angehörigen ein Indikator für eine gestörte Familie sein muss.
Da dieses Buch in der dritten Auflage erscheint und somit über 20 Jahre alt ist, aber erweitert bzw. ergänzt wurde, gibt es am Anfang eine Einführung über das, was sich seither verändert hat.
Nach der Einführung werden die Betroffenen (Sucht- bzw. Co-Abhängigkeit) aus systemischer Sicht - jede Person ist an einem Verhalten/Situation mitbeteiligt (Wechselspiel zwischen Betroffenen und Angehörigen) - analysiert.
Resümee wird auch gezogen über empirischen Forschungen bezüglich Herkunftsfamilien von Drogenabhängigen aus verschiedenen Ländern und deren Widersprüche. Besonders interessant wird es, wenn die Rolle den „enabler“ besprochen wird, er ist nämlich der Co-Abhängige, der sich selbst und die Süchtigen in einem Muster gefangen hält, das er selbst gar nicht registriert. Dieses Muster bzw. Co-Abhängigkeit gibt es in mehreren Formen, eines davon ist die Unterstützung bis zur Selbstaufgabe, indem man alle Probleme vor dem Süchtigen fernhält, verwehrt man jegliche schlechte Erfahrung für den Betroffenen, um eine Anlass für eine Verhaltensänderung zu geben.
Auch verschiedene nahe Verhältnisse zu Süchtigen werden analysiert, z. B. Geschwister, Kinder, Eltern. Es werden auch die Anonymen Alkoholiker (AA) mit ihr Al-Anon Gruppen, eine Selbsthilfe Gruppe für Angehörige von Abhängigen, beschrieben. Eine Kernaussagen der Gruppe ist, dass Co-Abhänge nicht für die Erkrankung an der Sucht so wie deren Genesung des Angehörigen verantwortlich sind. Und sie sich von dieser Vorstellung befreien müssen.
Die Nachsorge für Angehörige wird thematisiert, wie etwa die Familientherapie oder das Hervorrufen von eigenen Interessen (bei der „Pflege“ des Süchtigen hat man sich selbst vergessen). Man darf nicht vergessen, das eigene Verhalten muss auch geändert werden, den nicht nur der Drogenkonsument kann einem Rückfall erliegen. Wenn der Co-Abhängige nicht gelernt hat sein Muster zu durchbrechen, dann sind sehr schnell beide wieder in ihrer alten Spirale aus Sucht und Abhängigkeit gefangen.
Um sein eigenes Muster zu erkennen und damit eine Selbstreflektion zu erleben, um Anpassungen vornehmen zu können bietet die Autorin tiefe und weitreichenden Einblicke in die Psyche und Gedankengänge von Co-Abhängigen und deren Verhaltensverläufe. Betroffene werden sich vielleicht wieder finden, wenn sie bereit dafür sind!

Verlag: Lambertus 

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