Alkohol und Cannabis in Kombination:
Mischkonsum mit fatalen Folgen

von Harald Frohnwieser

Alkohol kann gefährlich werden, wird aber toleriert, Cannabis ist zwar illegal, gilt aber oft als ungefährlich. Letzteres wird von Suchtexperten aber immer öfter widerlegt. Doch wenn man die beiden Drogen zusammen konsumiert, sind sie erst recht ein Hammer. Herzrasen, Übelkeit, Desorientierung, erhöhtes Unfallrisiko bis hin zu Halluzinationen sind die Folgen, wenn man Alkohol und Cannabis kombiniert. Das sagen selbst solche, die sonst offen für den Konsum von Mischkonsum von Alkohol und HanfCannabis eintreten: „Finger weg!“ Auch der österreichische Allgemeinmediziner Dr. Kurt Blaas, der Schmerzpatienten gerne Cannabinoide verschreibt, rät im „Alk-Info“-Gespräch von einer Kombination der beiden Drogen dringend ab.

Raphael M. ist ein junger Mann, der gerne Bier trinkt und gelegentlich einen Joint dazu raucht. Aber der 19-Jährige setzt sich weder bekifft noch betrunken hinter das Lenkrad, da er, wie er sagt, sehr verantwortungsbewusst wäre. Trotzdem wurde dem Deutschen vom Bundesgericht die Fahrerlaubnis entzogen. Denn Raphael saß als Beifahrer in einem Auto, das von einem Freund gelenkt wurde. Bei einer Verkehrskontrolle stellte sich zwar heraus, dass der Fahrer nüchtern, Raphael hingegen leicht betrunken war. Und als der junge Mann zugab, hin und wieder einen Joint zu rauchen, war er den Führerschein los. Grund für die Abnahme sei „die wissenschaftliche Erkenntnis, dass der gleichzeitige Konsum von Alkohol und Cannabis zu einer Potenzierung der Wirkungen beider Stoffe führe, z.B. zu psychotischen Störungen und der Beeinträchtigung des Herz-Kreislaufs“, argumentierte der Deutsche Bundesgerichtshof. Und weiter: „Wer derartig unverantwortlich mit seiner eigenen seelischen und körperlichen Gesundheit umgeht, er müsse eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen.“Dr. Kurt Blaas
Neue Studie
Was der Deutsche Bundesgerichtshof nicht nannte, sind weitere Nebenwirkungen, die eine Mischkonsum von Alkohol und Cannabis auslösen. Es kommt zu Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Desorientierung und zu einem erhöhten Unfallrisiko. Um auf all die Gefahren aufmerksam zu machen, hat sich ein US-Forscherteam rund um Marilyn A. Huestis vom National Institute on Drug Abuse in Baltimore mit diesem Thema auseinandergesetzt und die Ergebnisse in einem Fachmagazin in den USA veröffentlicht. Für die Studie erhielten 32 erwachsene Cannabisraucher zunächst entweder ein Placebo oder ein leicht alkoholisches Getränk. Zehn Minuten später konsumierten die Studienteilnehmer 500 Milligramm Cannabis mittels eines Verdampfers, wobei eine Gruppe hochdosiertes Cannabis mit einer THC-Konzentration von 6,7 Prozent erhielt, der anderen Gruppe wurde eine niedrig dosierte Konzentration von 2,9 Prozent verabreicht.
Hohe Leistungseinbußen
Die Ergebnisse zeigten demnach, dass mit dem Alkohol deutlich mehr THC-Wirkstoffe ins Blut gelangten. Studienteilnehmer, die eine geringe Menge an Marihuana bekamen, hatten zunächst eine Blutkonzentration von 32,7 Mikrogramm THC pro Liter Blut aufgewiesen, in Kombination mit dem Alkohol stieg der Wert auf 35,3. Diejenigen, die eine höher dosierte THC-Konzentration erhielten, hatten ohne Alkohol einen Wert von 42,2 Mikrogramm THC im Blut, der Alkohol steigerte diesen Wert auf 67,5. Dazu Studienautorin Huestis: „Die erhöhten Werte von THC im Blut im Zusammenhang mit dem Alkohol können möglicherweise die höheren Leistungseinbußen erklären, die bei Cannabis-Alkohol-Kombinationen beobachtet wurden.“ Und da auch in den USA – vor allem seit der Freigabe von Cannabis in einigen Bundesstaaten – nicht wenige Konsumenten Alkohol und Cannabis mischen und in diesem Zustand noch mit dem Auto fahren, glaubt Marilyn Huestis, dass ihre Erkenntnisse auch auf diesem Gebiet von Nutzen sind: „Unsere Ergebnisse erleichtern gerichtsmedizinische Untersuchungen und bringen die juristische Debatte über Fahren unter Drogeneinfluss voran.“
Totaler Absturz
Auch der österreichische Allgemeinmediziner Dr. med. univ. Kurt Blaas warnt vor der Kombination von Alkohol und Cannabis. „Die meisten, die das kombinieren, erleben einen totalen Absturz“, sagt er im „Alk-Info“-Gespräch. Dabei setzt der Arzt, der in Wien praktiziert, voll auf die medizinische Heilkraft der Cannabinoiden, die er vor allem Schmerzpatienten verschreibt. Der Mediziner wundert sich, dass die beiden Drogen in letzter Zeit immer öfter zusammen konsumiert werden. „Die Zwei passen eigentlich gar nicht zusammen. Während Cannabis eher ruhig macht, putscht der Alkohol auf, hat eine enthemmende Wirkung und macht mitunter auch aggressiv“, stellt er fest. Warum diese Kombination weit verbreitet ist, erklärt Blaas damit, dass in manch einer Runde, in der Alkohol getrunken wird, „irgendjemand einen Joint dabei hat, der dann die Runde macht. Und der alkoholbedingte Kontrollverlust erhöht die Toleranz gegenüber anderen Mitteln.“
Dr. Kurt BlaasAuch Kurt Blaas macht auf die verheerenden Folgen von Alkohol zusammen mit Cannabis aufmerksam: „Die Patienten erzählen mir, dass es ihnen furchtbar schlecht ging, nachdem sie Beides genommen hatten. Sie litten unter Übelkeit, Erbrechen, hatten fürchterliches Herzrasen, manche sogar einen kompletten Zusammenbruch des Herz-Kreislaufs.“
Psychosen und Depressionen als Folge
Der deutsche Arzt Dr. med. Leo Hermle schreibt auf www.drugcom.de: „Die Gefahr von starken Nebenwirkungen (Sedierung, Müdigkeit, Störung des Gleichgewichts und Muskelkoordination, Halluzinationen etc.) wird durch zusätzlichen Alkoholkonsum zusätzlich verstärkt. Rasche Abhängigkeit von Alkohol und Cannabis (bis zu 20 Prozent der regelmäßigen Konsumenten) sowie länger anhaltende Psychosen und Depressionen können die längerfristigen Folgen sein“ (siehe auch „So heftig war der Schub noch nie…“).
Und um den Bogen zu schließen, geht es noch einmal um den Straßenverkehr. Das Internetportal www.kenn-dein-limit.de von der deutschen Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA) warnt: „Der Kontrollverlust ist deutlich erhöht. Die Reaktions- und Orientierungsfähigkeit nimmt ab und das Unfallrisiko steigt erheblich. Die Teilnahme am Straßenverkehr kann lebensgefährlich werden.“

Fotos: Thomas Frohnwieser (2) Grafik: Thomas Frohnwieser (1)