Robin Williams war bekennender Alkoholiker
Das Leben des Clowns zwischen Rückfall und Furcht

von Harald Frohnwieser

Sein Selbstmord erschütterte die Welt. Oscar-Preisträger Robin Williams erhängte sich in den frühen Morgenstunden des 11. August 2014 in seinem Haus in Kalifornien. Sein Leben war geprägt von vielen Höhen, aber auch von vielen Tiefen. Alkohol, Kokain, Williams in der Serie „Mork vom Ork“ (1978-1982)Angstzustände und Depressionen sorgten immer wieder dafür, dass der begnadete Filmkomiker immer wieder in ein tiefes Loch fiel. Als er seine dunkle Welt, in der er sich befand, nicht mehr aushielt, griff der Star zu einem Gürtel und erhängte sich in seinem Kleiderschrank. Nicht nur seine Frau, seine Kollegen und Fans waren betroffen, als sie davon erfuhren, auch US-Präsident Barack Obama zeigte sich von Ableben des Schauspielers sichtlich berührt.

Ein Treffen der Anonymen Alkoholiker in San Francisco am Samstag, dem 9. August 2014. Während sich die verschiedensten Teilnehmer der Gruppe zu Wort melden und von ihrer Alkoholkrankheit berichten, sitzt ein 63 Jahre alter Mann unter den Männern und Frauen, die in der größten Selbsthilfeorganisation der Welt ihren Halt suchen. Robin Williams, der es mit Filme wie „Mrs. Doubtfire“ oder „Der Club der toten Dichter“ nach ganz oben schaffte, hört interessiert zu. Ob er sich auch selbst zu Wort gemeldet hat, ist nicht bekannt. Bekannt ist freilich, dass der Schauspieler die Meetings der AA regelmäßig besucht hatte, und dass er nach seinem Rückfall, der von 2003 bis 2008 dauerte, trocken gewesen war. Robin Williams in „Good Morning, Vietnam“ (1987)Nur 18 Stunden später war der US-Star tot. Robin Williams hatte sich in seinem Kleiderschrank erhängt. Seine langjährige Assistentin Rebecca Erwin Spencer fand die Leiche am Montag morgen.
„Er war beim Treffen am Samstag und war nüchtern“, wird sein 58-jähriger Kollege und AA-Freund Argus Hamilton ein paar Tage später in der britischen Zeitung „Sun“ zitiert. Somit ist ein Alkoholrückfall als Grund für Williams Suizid wohl ausgeschlossen. Doch es war freilich nicht nur der Alkohol, der den begnadeten Filmkomiker viele Jahre das Leben zur Hölle machte, Robin Williams litt auch an schweren Depressionen. Daraus machte er ebenso wenig ein Geheimnis wie über seinen Alkoholismus und seine ehemalige Drogensucht.
Williams am Tisch in „Der Club der toten Dichter“ (1989)Geboren wurde Robin Williams am 21. Juli 1951 als Sohn reicher Eltern in Chicago. Seinen Plan, Politikwissenschaften zu studieren, gab er bald wieder auf und absolvierte die berühmte Juilliard-Schauspielschule in New York. Einer seiner Kollegen, mit dem er die Schule besuchte, war übrigens der spätere „Superman“-Darsteller Christopher Reeve. Nach seiner Ausbildung stand der Jungschauspieler Williams als Stand-up-Comedian auf der Bühne, und wurde von Regie-Altmeister Robert Altman 1980 zum ersten Mal für den Film „Popeye – Der Seemann mit dem harten Schlag“ als liebenswerter Matrose vor die Kino-Kamera geholt.
Alkohol und Kokain
Zwei Jahre später bewies Robin Williams sein Talent als Komiker in der Verfilmung des Bestsellers „Garp und wie er die Welt sah“, den endgültigen Durchbruch schaffte er als redseliger Army-Diskjockey in der Vietnam-Dramakomödie „Good Morning Vietnam“. Doch schon in den 1970er Jahren atmete der Komiker Studioluft. In der legendären TV-Serie „Mork von Ork“ spielte er einen netten Außeriridischen, der in Silberstifeln charmant „Nano-Nano“ grüßte. Und hier wurde auch der Grundstein für seine Alkoholerkrankung und Drogensucht gelegt. Schon damals trank er sehr viel Alkohol und nahm John Belushi in „Ich glaub', mich tritt ein Pferd“ (1978)auch Kokain, den am Set wurde nach den Dreharbeiten viel gefeiert, und Alkohol und Drogen gehörten ganz einfach dazu. Ein Verhalten, das bis in die 1980er Jahre reichte. „Bei den Dreharbeiten zu ,Popeye' hatte ich bis zum Gehtnichtmehr gekoks“, gestand der Schauspieler im Jahr 2010 der britischen Zeitung „Guardian“. Er sei richtig peinlich gewesen, vertraute er dem Blatt an: „Ich habe Robert de Niro als fetten Fucker bezeichnet und in die Ming-Vase eines Gastgebers uriniert. Davon erholt man sich schwer.“
1983 unterzog er sich auf Drängen seiner Familie eine Therapie und besuchte danach regelmäßig die Treffen der Anonymen Alkoholiker. Mit ein Grund, warum Robin Williams einsichtig war, war der Drogentod von Schauspieler John Belushi, 33, im Jahr 1982. Ob das ein Warnschuss für ihn gewesen war, wurde er von einem Reporter gefragt. „Oh ja, von einem gewaltigen Ausmaß“, so die Antwort Williams, der mit Belushi eng befreundet war. Bereits frei von seiner Sucht wurde Williams 1983 Vater eines Sohnes, doch ein paar Jahre später wurde seine erste Ehe geschieden. 1989 heiratete er das Kindermädchen seines Sohnes, Marsha Garces, die später Filmproduzentin wurde. Beruflich lief es für ihn bestens. Filme wie „Hook“ (1991), „Aladdin“ (1992) oder „Jumanji“ (1995) Williams (r.) in einer Szene aus „Hook“ (1991)begründeten seinen Weltruhm. 1997 bekam er seinen einzigen Oscar als bester Nebendarstller für seine Rolle als Betreuer eines hochbegabten Mathematik-Studenten in dem Film „Good Will Hunting“.
Rückfall in Alaska
20 Jahre blieb der Komiker trocken und clean, doch im September 2003 sollte ihn die Sucht wieder einholen. Der Schauspieler drehte in diesem Jahr einen Film in Alaska. „Ich war in einer Kleinstadt, nicht am Ende der Welt“, berichtete er später in einem Interview, „aber das kannst du von dort aus sehen. Und ich dachte ans Trinken. Und daran, dass ein Drink vielleicht helfen könnte. Weil ich mich einsam fühlte und ängstlich.“ Also ging der Star kurzerhand in ein Geschäft, wo er eine Flasche Jack Daniel's sah. „Eine innere Stimme sagte: ,Hey, probier doch einfach mal. Nur einen. Ich trank und es gab einen kurzen Moment, indem ich dachte, alles wäre okay. Aber es eskalierte schnell. Innerhalb einer Woche kaufte ich so viele Flaschen, dass ich mich wie ein Glockenspiel anhörte, als ich die Straße entlang lief“, gestand der dem Magazin „Parade“ in einem sehr offenen Gespräch. Er habe Williams (Mi.) als Nanny verkleidet in einer Szene aus „Mrs Doubtfire“ (1993)sich warm gefühlt nach dem ersten Drink, doch danach kam die Angst: „Das nächste, was dir durch den Kopf geht ist, dass es ein Problem ist und du isoliert bist.“ Warum er wieder trank? Robin Williams erklärte es später so: „Es ist buchstäblich Furcht. Und du denkst, das wird die Angst erträglich machen. Aber das tut es nicht.“ Wovor er sich am meisten fürchtet? Williams: „Vor allem. Es ist ein generelles Arggghhh.“
Familie stellte Ultimatum
Die Alarmglocken läuteten aber erst dann, als er an Thanksgiving von seiner Familie ins Schlafzimmer gebracht werden musste, weil er zu betrunken war, um die Treppe hoch zu steigen. Wieder ein Entzug, und zunächst auch recht erfolgreich. Doch 2006 kam der nächste Rückfall, der zwei Jahre dauern sollte. 2008 hatte seine Frau genug von den Alkoholeskapaden ihres Mannes und reichte die Scheidung ein. Auch die anderen Familienmitglieder konnten nicht Robin Williams im Film „Jumanji“ (1995)mehr zusehen, wie sich Williams selbst zerstörte. „Sie haben mir ein Ultimatum für einen Entzug gestellt und gesagt, dass ich das tun muss. Also sagte ich, dass sie recht haben. Seither bin ich trocken“, wird Williams in der Zeitschrift „Parade“ zitiert.
Drei Jahre später heirate Williams seine dritte Frau, die Designerin Susan Schneider. Doch die Angstgefühle, die ihn Zeit seines Lebens begleiteten, blieben. Und auch die Depression, der er immer mehr verfiel. Mit ein Grund ist sicherlich, dass es beruflich nicht mehr so gut lief. Das Aus seiner TV-Serie „The Crazy Ones“ stürzte ihn in ein tiefes Loch. „Es war ihm peinlich und er fühlte sich gedemütigt, weil seine Fernsehshow scheiterte“, wird ein Freund in einem Online-Magazin zitiert. Zu all dieser Misere kam auch noch die Diagnose Parkinson im Anfangsstadium und angeblich große Geldsorgen. Seine beiden Scheidungen sollen Williams Williams (l.) und Matt Damon in „Good Will Hunting“ (1997)mehr als 30 Millionen Euro gekostet haben. Der Komiker musste, um sein Leben zu finanzieren, Rollen annehmen, die er unter anderen Umständen wohl abgelehnt hätte.
„Er machte die Welt ein bisschen besser“
Wenige Wochen vor seinem Selbstmord, checkte der gebrochene frühere Weltstar in ein Therapiezentrum im US-Bundesstaat Minnesota ein. Nicht weil er rückfällig wurde, sondern um sich zu stabilisieren. „Für den Feinschliff“, wie er es nannte. Geholfen hat es leider nichts, das schwarze Loch, in dem er sich befand, wurde nicht heller.
„Mein Herz ist gebrochen, ich habe meinen Mann und meinen besten Freund verloren“, gab seine Witwe Susan Schneider wenige Stunden nach dem Tod ihres Gatten bekannt. Auch Schauspiel-Williams in „The Angriest Man in Brooklyn“ (2014)Kollegen waren tief betroffen von Williams Tod. So twitterte Kevin Spacey: „Ein großer Mensch, Künstler und Freund. Ich werde ihn unendlich vermissen.“ Steve Carell befindet, dass „Robin Williams die Welt ein bisschen besser machte“ und Regisseur Steven Spielber erklärte: „Robin war ein Gewitter von einem komischen Genie und unser Lachen war der Donner, der ihn trug. Er war ein Freund und ich kann nicht glauben, dass er gegangen ist.“ Auch US-Präsident Barack Obama ging der Tod des Schauspielers zu Herzen. Sein Statement: „Robin Williams war Soldat, Arzt, Genie, Nanny, Präsident, Professor, ein lärmender Peter Pan und alles dazwischen.“ Und weiter: „Er brachte uns zum Lachen. Er brachte uns zum Weinen.“
Robin Williams hinterlässt drei erwachsene Kinder.

Fotos: ABC (1), Warner Bros. Entertainment Inc. (1), Touchstone Pictures (1), Universal Pictures (1), Sony Pictures Home Entertainment (1), Twentieth Century Fox Film Corporation (1), TriStar Pictures (1),Miramax Pictures (1), Lionsgate (1)