Großer Online-Suchtkongress von Ben Gurlt startet
Jeder kann etwas für sich herausnehmen

von Harald Frohnwieser

In Zeiten der Corona-Pandemie finden Kongresse so gut wie gar nicht statt. Doch zum Glück gibt es das Internet, wo diese online über die Bühne gehen. Diese Möglichkeit nützt auch Ben Gurlt aus Deutschland, der seinen großangelegten Suchtlos Glücklich Onlinekongress (suchtlosgluecklich.com) ab 18. Februar 2021 für die Dauer von elf Tagen im Internet präsentiert. Als Kongress-Leiter gelang es ihm, 32 interessante Persönlichkeiten wie Suchtspezialist Professor Johannes Lindenmeyer, den Naturheilpraktiker und Suchtcoach Hans R. Hoffmann oder die Psychotherapeutin und Ärztin Daniela Sinsel zu gewinnen, um nur ein paar wenige zu nennen. Auch „Alk-Info“-Chefredakteur Harald Frohnwieser ist als Sprecher ebenfalls mit dabei. „Ich denke, dass jeder Zuschauer etwas für sich herausnehmen wird können“, ist Ben Gurlt, der viele Monate in die Organisation des Kongresses investiert hat, überzeugt.

Aber nicht nur Suchtspezialisten treten bei dem Online-Suchtkongress als Sprecher auf, sondern auch mehrere Betroffene, die ganz offen erzählen, wie sie es geschafft haben, aus ihrer Alkoholsucht herauszukommen. „Diese Menschen haben eine Vorbildfunktion, denn es ist für viele, die unter ihrer Sucht leiden oder diese gerade erst bezwingen konnten wichtig und notwendig zu sehen, wie es andere geschafft haben, sich davon zu befreien“, erzählt Ben Gurlt im „Alk-Info“-Gespräch.
Eine Vorbildfunktion hat auch der Organisator des Kongresses selbst, war doch Ben Gurlt viele Jahre lang vom Alkohol abhängig. Aufgewachsen in einer Pastorenfamilie litten er und seine drei Geschwister immer wieder unter einer Isolation, bedingt durch die Vorbildfunktion der Eltern. Als Ben 18 Jahre alt war, zog er von zu Hause aus. „Da habe ich dann den Alkohol für mich entdeckt“, blickt er zurück. Den ersten Rausch hatte er mit 19: „Das war für mich so geil, ich habe mich so gut gefühlt und habe aber gleichzeitig gemerkt, dass mir das gefährlich wird. Denn diesen Zustand wollte ich wieder und wieder haben.“
Der Alkohol bestimmte sein Leben
Und der gelernte Elektriker hatte diesen Zustand immer wieder, bis zum Exzess. „Ich begann, den Alkohol bewusst einzusetzen um zum Beispiel meine Hemmungen abzubauen oder Depressionen zu bekämpfen – da hat er mir damals auch tatsächlich geholfen. Ich habe mich immer wieder selbst abgeschossen.“ Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es folgten mehrere Autounfälle, wenn er sich betrunken Online-Suchtkongress Leiter Ben Gurlthinters Steuer setzte, die Folgen waren mehrere Führerscheinentzüge. Und es kam zu Problemen mit Beziehungen: „Welche junge Frau will schon so einen, der immer betrunken ist?“
Die Spirale drehte sich immer weiter nach unten. Bis zum Jahr 2000. „Da hatte ich wieder einen Autounfall, weil ich die Straße gar nicht mehr richtig sehen konnte und bin auf ein stehendes Auto aufgefahren, mit dem Kopf voll gegen das Lenkrad geprallt und wurde bewusstlos ins Krankenhaus gebracht. Als ich nach einiger Zeit aufgewacht bin habe ich mir gedacht, verdammt, das hat wohl wieder nicht gereicht. Gleichzeitig bin ich aber auch erschrocken, weil ich an einen Punkt angelangt war, wo ich nie hinwollte.“ Ben Gurlt hatte sich das Leben immer schön vorgestellt, aber so, wie er es führte, war er meilenweit davon entfernt. „Ich hatte es damals einfach nicht hingekriegt. Es tat weh, dies zu sehen“, erzählt er über diese Zeit, die wohl die schlimmste in seinem Leben war.
„Wenn du so weiter machst, kostet das ein Leben…“
Eine Weile trank er noch weiter, bis er zu einem Psychologen musste, weil sein Führerschein wieder einmal weg war. „Der hatte zu mir gesagt, Alter, mach' etwas, ansonsten kostet das ein Leben. Entweder dein eigenes oder ein fremdes“, so Ben. Harte Worte, aber sie kamen zum richtigen Zeitpunkt, da Ben spürte, dass der Psychologe recht hatte. „In meiner Firma habe ich dann gekündigt, weil mein Chef nicht wollte, dass ich für eine längere Zeit eine Therapie machen wollte. Ich ging zu einer Suchtberatung und war dann vier Monate lang stationär in einer Klinik. Wie ich dorthin gegangen bin wusste ich, dass mein Leben mit dem Alkohol zu Ende war. Ich wollte endlich ein anderes Leben, und zwar eines, in dem ich nicht andauernd zugedröhnt vom Alkohol bin. Das habe ich bis heute ohne einen einzigen Rückfall durchgehalten.“
Neuer Job, neue Umgebung
Leicht war die erste Zeit ohne Alkohol freilich nicht: „An allem, was in meinem Leben nicht funktionierte, gab ich dem Alkohol die Schuld daran, was so aber nur zum Teil stimmte. Ich musste mich erst so richtig kennenlernen, um an meinen Problemen, die es gab, zu arbeiten.“ Nach dem Ende der Therapie zog er aus Frankfurt weg, weil er nicht wieder in seine alte Umgebung zurück wollte. In Augsburg fand er einen neuen Job, und so übersiedelte er nach Bayern. „Nachdem ich sechs oder sieben Jahre lang trocken war, stellten sich schwere Depressionen bei mir ein, die lange angehalten haben“, erinnert er sich an diese dunkle Zeit. Und so suchte er sich nach längerem Zögern professionelle Hilfe: „Neuerlich entschied ich mich für eine stationäre Therapie. Als die zu Ende war, machte ich ambulant weiter. Mein großes Ziel dabei war, endlich beziehungsfähig zu werden.“
„Suchtkongress ist eine runde Sache geworden“
Das ist ihm schließlich geglückt: Mittlerweile führt Ben Gurlt mit seiner Ehefrau und seiner vierjährigen Tochter ein zufriedenes Leben am Starnberger See. Warum also jetzt der Suchtkongress? Ben Gurlt braucht für die Antwort auf diese Frage nicht lange zu überlegen. „Vor etwa zwei Jahren kam mir der Gedanke, dass ich mich beruflich verändern möchte, dazu kam, dass mein Neffe, zu dem ich seit mehreren Jahren leider keinen Kontakt mehr hatte, an den Folgen von Alkohol und Drogen gestorben ist. Da habe ich mir gedacht, dass ich ihn, wenn ich von seiner Sucht gewusst hätte, vielleicht hätte helfen können.“ Freunde haben Ben schließlich dazu geraten, einen Suchtkongress zu organisieren. „Anfangs gab es da eine gewisse Hemmschwelle meinerseits, aber schon bald stellte sich eine große Freude an dieser Arbeit ein“, berichtet er im „Alk-Info“-Gespräch.
„Es ist jetzt eine runde Sache geworden. Ich konnte 32 Sprecher für den Kongress gewinnen. Zum Teil sind es ganz tolle Fachleute, die einen interessanten Einblick in ihre Arbeit gewähren, zum anderen Teil sind es Menschen, die einfach ihre Geschichte erzählen um anderen dabei zu helfen, von ihrer Alkoholsucht weg zu kommen“, ist Ben Gurlt, der mittlerweile im Pflegebereich tätig ist, mit der Auswahl seiner Sprecher sehr zufrieden.
Inspirationen und Perspektiven für ein neues Leben
Was haben die Teilnehmer des Kongresses davon, den 32 Sprechern zuzuhören? Ben Gurlt: „Wenn man zum Beispiel Inspirationen braucht, um Perspektiven für sein Leben zu entwickeln, wenn man erfahren möchte, wie es andere aus Isolation und Einsamkeit heraus geschafft haben, wenn man sein Potential entdecken will, wenn man seine innere Stärke sehen möchtest oder wenn man einen selbstbewussten Umfang mit der Sucht finden möchte.“
Doch Ben Gurlt ist nicht nur für den Online-Suchtkongress verantwortlich, er will auch für Menschen da sein, die Hilfe benötigen: „Man kann mich jederzeit mittels E-Mail oder Facebook kontaktieren, wenn man noch Fragen zum Kongress hat oder einfach etwas wissen möchte“, freut sich der Familienvater und Autor des Buches „7 Anker für den Alltag – Dein Weg aus dem Alkohol“ schon jetzt auf seine neue Arbeit.

Anmeldung und weitere Infos: suchtlosgluecklich.com

Foto: Ben Gurlt (1)