Suchtonlinekongress startet im Februar 2018
Der Mensch, der man sein will

von Harald Frohnwieser

Jürgen Zahrl lebt im Waldviertel im nördlichen Niederösterreich und war viele Jahre lang süchtig. Süchtig nach Essen, süchtig nach Zucker, nach Nikotin und wohl auch nach Alkohol. Am 1. Januar 2014 gelang es ihm, seinen kurz vorher gefassten Entschluss, sein Leben gründlich zu ändern und endlich suchtfrei zu werden, in die Tat umzusetzen. Zunächst reduzierte der Webdesigner Schritt für Schritt seine überschüssigen Kilos, dann den Nikotinkonsum und schließlich auch den Alkohol. Jetzt will Zahrl neue Wege beschreiten: Am 3. Februar 2018 startet er im Internet mit seinem ersten Jürgen Zahrl, Organisator des Online-SuchtfreikongressSuchtkongress, für den er zahlreiche Experten mit der Kamera interviewt hat. Im „Alk-Info“-Gespräch erzählt er, wie der Online-Kongress ablaufen wird und warum es ihm so wichtig ist, seine Erfahrungen anderen Menschen, die unter ihrer Sucht noch leiden müssen, weiter zu geben.

An die 20 Experten hat Jürgen Zahrl für seinen Online-Kongress zum Thema Sucht interviewt. Niedergelassene Ärzte ebenso wie Gehirnforscher, Ernährungsexperten, Esoteriker, ehemalige Süchtige, die jetzt in diesem Bereich als Trainer arbeiten. Und auch der Autor dieser Zeilen und Mitbegründer von „Alk-Info“ spricht aus seinen Erfahrungen, die er als ehemaliger Süchtiger und auch als Journalist im Bereich des Alkoholismus in den vergangenen Jahren gesammelt hat.
Diese Experteninterviews sind für jeden, der sich dafür interessiert, nach einer kostenlosen Registrierung auf der Website www.suchtfreikongress.com in der Zeit vom 3. bis 12. Februar 2018 abrufbar. Pro Tag sind drei Video-Interviews abrufbar, die nach 24 Stunden wieder offline sein werden. Wer jedoch keine Zeit hat, sich alle Interviews an einen Tag anzusehen und anzuhören, hat nach Kongressende die Gelegenheit, gegen Gebühr die Interviews auf seinen PC oder sein Smartphone zu laden. Je nach Größe des Pakets, das man erwirbt, muss man mit einem Preis von € 39,- aufwärts rechnen.
Markanter Anfangspunkt vor mehreren Jahren
Auf die Frage, wie er auf die Idee gekommen ist, einen Online-Kongress zum Thema Sucht ins Leben zu rufen, muss Jürgen Zahrl etwas ausholen: „Der Weg, der mich da hingeführt hat, wo ich jetzt bin, hatte einen ganz markanten Anfangspunkt, der im Jahr 2013 liegt. In diesem Jahr gab es drei einschneidende Ereignisse gleichzeitig. Meine damalige Freundin hat mich verlassen, ich bin aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen und mein Hund, den ich sehr geliebt habe, war gestorben.“
Im tiefen Loch
Hinzu kam, dass der Niederösterreicher viel zu viel Nahrungsmittel zu sich nahm, süchtig nach Zucker war, zu viel rauchte und auch viel zu viel Alkohol trank. „Ich befand mich in einem tiefen Loch, in dem ich irgendwie gefangen war. Da habe ich endlich damit angefangen, über mich und mein bisheriges Leben nachzudenken. Und kam zunächst zu der Erkenntnis, dass ich ein wandelndes Fass mit 102 Kilos bei etwas weniger als 170 cm Körpergröße war, das durch die Gegend gelaufen ist. Ich habeSuchtfrei Kongress geraucht, getrunken und gefressen. Also habe ich mir vorgenommen, ab dem 1. Januar 2014 zunächst einmal gezielt abzunehmen.“ Seinen Neujahrsvorsatz setzte der Webdesigner konsequent um. Zahrl: „Ich habe mir vorgenommen, innerhalb eines Jahres 24 Kilo abzunehmen, das war ein realistisches Ziel.“ Ein Ziel, das er schneller als gedacht erreichen konnte – und zwar in nur zehn Monaten! „Beim Essen bin ich vom ununterbrochenen Alles Esser zum Vegetarier geworden, wobei ich anfangs noch Fisch gegessen habe. Mittlerweile bin ich aber ein überzeugter Veganer“, so Jürgen Zahrl.
Den Alkohol schrittweise reduziert
„Damit sind auch die anderen Sachen, die ändern wollte, ins Rollen gekommen“, blickt Jürgen Zahrl zurück, „ich habe dann den Alkohol Schrittweise reduziert und trinke jetzt fast gar nichts mehr.“ War der Alkohol ein großes Problem für ihn? Darüber braucht Jürgen Zahrl nicht lange nachzudenken: „Im Alltag eigentlich nicht so sehr. Im Beruf habe ich noch ganz gut funktioniert, egal ob mit oder ohne dem Alkohol. Ich habe aber jeden Tag Alkohol konsumiert. Doch an den Wochenenden habe ich immer sehr viel getrunken. Und da sind dann oft Dinge passiert, die ohne dem Alkohol wohl nicht passiert wären“, umreißt er seine regelmäßigen Abstürze.
Mit der Reduzierung des Alkohols hatte Jürgen Zahrl zum Glück keine Probleme: „Als meine Lebensumstellung so richtig ins Rollen kam, ging das recht einfach. Zunächst habe ich von Sonntags bis Freitags nichts getrunken, dafür aber an den Samstagen recht ausgiebig. An den Samstagen habe ich auch kräftig bei den Süßigkeiten zugeschlagen. Aber irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich diesen Nasch- und Sauftag nicht mehr gebraucht habe. Darüber bin ich sehr froh, weil ja nicht nur die Süßigkeiten, sondern auch der Alkohol sehr viele Kalorien hat.“
Schritt für Schritt angekommen
Dass Jürgen Zahrl seine Lebensumstellung so konsequent geschafft hat, verdankt er dem Umstand, dass er sich realistische Ziele gesetzt hat. „Man muss das Schritt für Schritt umsetzen und darf nicht erwarten, dass man von einen Tag auf den anderen ein völlig neuer Mensch sein wird“, spricht er aus Erfahrung. Geholfen hat ihm dabei auch, dass er immer selbstbewusster wurde, was auch beim anderen Geschlecht gut ankam. Zahrl: „Plötzlich haben sich die Frauen wieder für mich interessiert, und das hat mir dann noch mehr Selbstbewusstsein und auch Selbstvertrauen gegeben. Jetzt lebe ich wieder in einer glücklichen Beziehung.“ Auch das Rauchen hat er längst hinter sich gelassen.
Heute fühlt sich Jürgen Zahrl angekommen: „Ich war wirklich süchtig, aber eine Sucht hat immer eine Vorgeschichte. Man ist ein Mensch, der man eigentlich gar nicht sein will, und deshalb trinkt man, flüchtet sich ins Essen oder in eine andere Sucht.“
Jetzt ist Jürgen Zahrl der Mensch, der er immer sein wollte, weil keine Sucht mehr über ihn bestimmt.

Suchtfrei Kongress – Informationen & Anmeldung
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Web-Adresse: www.suchtfreikongress.com

Foto & Logo: Jürgen Zahrl (2)