Saufgelage, Schlägereien, betteln, pöbeln:
Alkoholverbot am Wiener Praterstern gefordert

von Harald Frohnwieser

Bereits mehr als 1000 in Wien lebenden Menschen haben innerhalb kürzester Zeit eine Forderung der Initiative „Alkoholverbot am Praterstern“ unterschrieben. Es sind Menschen, die sich schon seit langem nicht mehr wohl fühlen, wenn sie an dem belebten Verkehrsknotenpunkt umsteigen müssen oder dem nahegelegenen Prater mit seinen zahlreichen Freizeitangeboten einen Besuch abstatten wollen. Der Grund: Es kommt am Praterstern immer wieder zu Streitereien und auch zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen den Trinkern, die schon seit Jahren diesen Platz eingenommen haben. Die Wiener Oppositionspartei FPÖ unterstützt nun diese Forderung. Der SPÖ-Bezirksvorsteher aber hat in einer ersten Stellungnahme schon abgewunken: „Man kann nicht jede einzelne Flasche kontrollieren.“ Dennoch bringt die Initiative nun eine Petition mit den mehr als 1000 Unterschriften im Wiener Rathaus ein.

Wolfgang Seidl (Chef der FPÖ-Leopoldstadt) und Thomas Preissl (Initiator der Initiative „Alkoholverbot am Praterstern“)Der Wiener Prater. Schon seit Jahrzehnten lockt er Touristen aus aller Welt an, um sich hier in der Geisterbahn, beim Autodrom oder auf der Hochschaubahn zu vergnügen. Und eine Fahrt mit dem Riesenrad ermöglicht ohnehin einen sagenhaften Blick auf die österreichische Bundeshauptstadt.
Am Eingang zum großen Vergnügungspark befindet sich der Praterstern. Ein Verkehrsknotenpunkt, den täglich bis zu 150.000 Menschen frequentieren. Darunter sind freilich nicht nur Personen, die auf dem Weg zur Arbeit in ein anderes Verkehrsmittel umsteigen oder Urlauber, die in den Prater wollen, sondern auch Arbeitslose und Bettler, die hier ihrem meist einzigen, wenn auch traurigen, Vergnügen nachgehen: dem Trinken. Dass es dadurch zu Streitereien und oft auch handfesten Auseinandersetzungen kommt, dass Passanten angebettelt und angepöbelt werden, liegt auf der Hand. Es ist, im Vergleich zu den vielen Menschen, die tagtäglich den Praterstern bevölkern, eine geringe Anzahl von Störenfrieden, aber sie reicht aus, dass sich viele hier nicht mehr wohl fühlen, wenn sie hierher müssen.
Alkoholverbot auch in anderen Städten
Aus diesem Grund fordert der Initiator der Petition „Alkoholverbot am Praterstern“, Thomas Preissl, schon seit einiger Zeit ein solches von der rot-grün-regierten Stadt, stieß bisher auf taube Ohren. Nun wird er von der FPÖ im 2. Wiener Gemeindebezirk (Leopoldstadt), in der sich der Prater befindet, unterstützt. „Graz schafft es, Innsbruck schafft es, Dornbirn schafft es und Eisenstadt auch“, nennt der Chef der FPÖ-Leopoldstadt, Wolfgang Seidl, jene österreichischen Städte, in denen es bereits ein Alkoholverbot in ehemaligen Problemvierteln gibt. „Und wenn es in diesen Städten möglich ist, dann kann das doch für Wien auch kein Problem sein. Wir wissen doch alle, was sich hier Tag für Tag abspielt“, kann Seidl nicht verstehen, warum sich die Stadt Wien so vehement gegen ein Alkoholverbot an diesem wichtigen Verkehrsknotenpunkt wehrt.
Die Situation habe sich, so der Oppositionspolitiker weiter, noch zugespitzt, als man vor mehr als einem Jahr das Polizeikommissariat vom Praterstern in die etwas weiter entfernt gelegene Lassallestraße verlegt hatte. „Die Beamten brauchen jetzt ein paar Minuten, bis sie am Praterstern sind, wenn sie dort gebraucht werden, früher waren sie direkt vor Ort. Und im ehemaligen Kommissariat hat sich ein hochpreisiges veganes Restaurant angesiedelt, das demnächst aufsperren soll. Genau so etwas brauchen wir hier“, ätzt Seidl in Richtung Stadtregierung.
„Gewalt und Schlägereien sind an der Tagesordnung“
Der Initiator der Petition „Alkoholverbot am Praterstern“, Thomas Preissl, betont, dass er kein FPÖ-Mitglied ist. Er wünscht sich, dass jeder Bürger den Praterstern wieder gefahrlos frequentieren kann. „Jetzt gibt es hier täglichEine Mutter mit Ihrem Kind am Praterstern, im Hintergrund eine Masse von Verwahrlosten Schlägereien und Körperverletzungen. Vor allem Frauen beschweren sich, weil es hier oft zu Belästigungen kommt und die Mütter sorgen sich um ihre Kinder“, begründet er, warum er die Initiative „Alkoholverbot am Praterstern“ gegründet hat. Aber er sei sich bewusst, dass man nicht alle Probleme mit einem Alkoholverbot lösen könne, aber die meisten schon, so Preissl, der erzählt, dass es hier auch schon die WEGA, eine Spezialeinheit der Polizei, wegen einer Massenschlägerei anrücken musste. Thomas Preissl, der nun seine Petition im Wiener Rathaus einbringen wird: „2015 gab es am Praterstern sogar einen Toten, weil ein Mann erstochen wurde.“ Preissl nennt auch Zahlen: 2013 gab es rund um den Praterstern seitens der Polizei 44.074 Amtshandlungen, 6299 Verwaltungsübertretungen und 2106 Anzeigen. Die zuständigen Polizisten seien, so Preissl, positiv gegenüber einem Alkoholverbot eingestellt. Das sehen wohl auch viele Wiener so. Denn innerhalb kürzester Zeit kamen für die Petition mehr als 1000 Unterschriften zustande, wobei viele Pendler auch gerne unterschrieben hätten, aber nicht konnten, weil sie nicht in Wien wohnen. Erforderlich für die Einbringung einer Petition sind 500 Unterschriften.
Gaststätten sind nicht betroffen
Ob auch Gaststätten von einem möglichen Alkoholverbot betroffen seien? „Natürlich nicht“, antwortet Seidl, „in den Lokalen und in den Gastgärten rund um den Platz soll auch weiterhin Alkohol konsumiert werden dürfen, auch der Supermarkt im U- und S-Bahnbereich ist vom Verbot nicht betroffen. Nur in der unmittelbaren Umgebung des Pratersterns soll nicht getrunken werden dürfen, so unsere Forderung.“ Nachsatz: „Das alles ist jaPolizei (rechts im Bild) beobachtet die Szene am Praterstern auch kein schöner Anblick für die vielen Touristen, die in den Prater wollen und dann die vielen trinkenden und zum Teil randalierenden Menschen sehen. So etwas sorgt doch für ein schlechtes Image.“
Angst vor einer Verlagerung der Szene haben Seidl und Preissl nicht. Und wenn doch eine solche stattfindet, zum Beispiel in den grünen Naherholungsgebiet im Prater mit seinen Alleen und Auen, dann müsse das Verbot eben ausgeweitet werden, sind sich beide einig. Einig sind sie sich auch darin, dass es mehr Polizisten braucht, die am Praterstern für Ruhe und Ordnung sorgen sollen und die Einhaltung des Alkoholverbots, sollte eine solche kommen, kontrollieren.
SPÖ-Bezirksvorsteher winkt ab
Dass ein solche kommt, scheint derzeit freilich mehr als fraglich zu sein. Der Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, Karlheinz Hora, SPÖ, hat in einer ersten Stellungnahme bereits angekündigt, dass er nichts von einem solchen Verbot hält, da es weder sinnvoll noch exekutierbar sei: „Da müsste jede Flasche überprüft werden.“ Und weiter: „Alkoholkranke werden Alkohol trinken – ob sie das nun am Praterstern oder in unmittelbarer Nähe tun.“
Wolfgang Seidl freilich meint, dass mehr Therapieeinrichtungen für Wien geschaffen werden müssen: „Es geht nicht, dass alkoholkranke Menschen in Wien wochen- wenn nicht monatelang auf einen Therapieplatz warten müssen.“

Fotos: Thomas Frohnwieser (3)