Ewan McGregor ist seit vielen Jahren trocken
Betrunken war ich wie ein Irrer“

von Harald Frohnwieser

Er ist ein gefeierter Filmstar, ein begeisterter Musiker, er reist gerne um die Welt und ist Vater von vier Töchtern. Doch der aus Schottland stammende Schauspieler Ewan McGregor war auch viele Jahre lang alkoholkrank. Im Jahr 2000 schaffte er schließlich mit Hilfe eines Therapeuten und den AnonymenEwan McGregor (2016) Alkoholikern den Weg zu einem nüchternen Leben. Heute spricht er offen über seine Zeit mit dem Alkohol und ist sehr dankbar dafür, dass dieser keine Rolle mehr in seinem Leben spielt.

Ob er immer noch die Meetings der Anonymen Alkoholiker besucht, ist nicht verbürgt. Klar hingegen ist, dass der schottische Schauspieler Ewan McGregor seit dem Jahr 2000 keinen Alkohol mehr anrührt. Obwohl: „Manchmal denke ich daran, etwas zu trinken, aber immer wenn das der Fall ist, dann stimmt etwas nicht“, gestand er einem Journalisten. Meist ist das dann der Fall, wenn er traurig ist. „Dann vermisse ich ein Glas Wein, aber solche Momente sind natürlich alles andere als geeignet, um wieder zum Alkohol zu greifen.“
Der junge Ewan McGregor spielt auf einem WaldhornDer beliebte Film-Star, den „Casino Royale“-Regisseur Martin Campbell gerne als neuen James Bond-Darsteller gehabt hätte, von McGregor aber eine Absage bekam, kam schon als kleiner Junge in seiner schottischen Heimatstadt Perth mit dem Alkohol in Berührung: „Als ich noch jünger war und in Schottland lebte, haben wir das an den Wochenenden gemacht. Wir trafen uns irgendwo und tranken – wie viele Kinder – bis zum Exzess. Und dann gewöhnte ich mich daran.“
Als Jugendlicher geriet er in Schottlands größter Stadt Glasgow in eine wilde Prügelei. „Wie das in solchen Fällen häufig ist, es war Alkohol im Spiel. Ich war betrunken, der andere auch, ich habe einen Witz gemacht, über den mein Gegenüber aber überhaupt nicht lachen konnte. Er wollte mich lieber verprügeln. Ich bin also erst einmal weggelaufen, bin aber irgendwann dazu übergegangen ihn zu beschimpfen, da hat er McGregor in „Kleine Morde unter Freunden“ (1994)mir ins Gesicht geschlagen. Und schon ging es los“, so der vierfache Familienvater in einem Interview mit „Welt online“.
In der Jugend depressiv
Ewan McGregor kam am 31. März 1971 als zweiter Sohn eines Lehrerehepaares in Perth zur Welt. In der Privatschule, in der sein Vater unterrichtete, bekam er auch Unterricht in Gitarre, Horn und Schlagzeug. Neben dem Schulorchester spielte der Teenager auch in einer Punkband mit. Neben der Musik war McGregor auch als Schwimmer, Taucher und Reiter aktiv, doch auch von Filmen war der Schüler sehr begeistert und so stand für ihn schon sehr früh fest, dass er Schauspieler werden möchte. Mit 15 wurde er Junge sehr depressiv, seine schulischen Leistungen sackten in den Keller und ein Jahr später fing er im Einverständnis seiner Eltern als Bühnenarbeiter im Perth Reportora Theater an.
Karrierestart in den 1990er Jahren
Bald darauf ermutigten ihn die Eltern dazu, sich in eine Schauspielschule einzuschreiben. Kurze Zeit später nahm er Schauspielunterricht in einer Londoner Schauspielschule und sammelte erster Bühnen-Erfahrungen in einem kleinen Theater. Schon bald folgten Engagements beim Fernsehen (u. a. McGregor als Heroinsüchtiger in „Trainspotting“ (1996)1997 in „Emergency Room“), 1993 feierte er in dem Film „Being Human“ sein Leinwanddebüt. Weltweit bekannt wurde McGregor 1999 durch George Lucas Weltallepos „Star Wars, Episode I – Die dunkle Bedrohung“. Weitere Rollen in „Moulin Rouge“ (2001), „Die Insel“ und „Star Wars, Episode III – Die Rache der Sith“ (2005), „Illuminati“ und „Männer, die auf Ziegen starren“ (2009) folgten, um nur ein paar wenige zu nennen. Nicht zu vergessen seine Rolle als Mark Renton in dem 1996 gedrehten Filmdrama „Trainspotting“, in dem er einen Junkie spielt.
Gewaltige Ausschweifungen
Neben der Schauspielerei widmete er sich auch der Musik und jammte unter anderem mit McGregor in „ER“ (Folge „The Long Way Around“, 1997)„Oasis“, „Brit Cool“ oder „Blur“. „Es war sicherlich ein Höhepunkt meines Lebens. Aber es war auch eine Zeit gewaltiger Ausschweifungen“, blickte er für ein Interview mit der britischen Zeitung „Daily Mail“ zurück. Und: „Betrunken war ich wie ein Irrer, aber ich erinnere mich daran zum Glück nur im Guten.“
Im Alter von 29 Jahren kam dann die Erkenntnis, dass er so nicht mehr weitermachen konnte. „Ich war damals nur damit beschäftigt, zu trinken, zu Hause zu sein oder bei der Arbeit – das waren die drei Bestandteile meines Lebens“, so McGregor zu „Welt online“, „und weil mich das alles viel zu sehr in Anspruch nahm, habe ich den McGregor in „Star Wars: Episode I - The Phantom Menace“ (1999)Trink-Teil dann aufgegeben. So hatte ich mehr Zeit, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren und mich um meine Familie zu kümmern.“
Therapeut empfahl die Anonymen Alkoholiker
Doch so leicht, wie es klingt, war es für ihn freilich nicht, mit dem Alkohol Schluss zu machen. Ewan McGregor: „Anfangs war es zwar schwer aufzuhören, so wie das bei jeder Form von Abhängigkeit schwierig ist, aber das ist nun einmal meine Art zu leben, ich vermisse nichts und hatte seit dieser Zeit keinen einzigen Drink mehr.“ Damit es auch klappt, holte sich der Schauspieler professionelle Hilfe. „Ich ging nicht direkt zu den Anonymen Alkoholikern, das geschah über Umwege. Und ich hatte einen Therapeuten, eine Art Alkohol-Spezialist, mit dem ich darüber sprach, was mit helfen könnte, das Trinken aufzugeben. Der hat mit dann die Anonymen Alkoholiker empfohlen.“ Das Aufhören war dann für ihn „keine große Sache“, aber: „Es ist auf keinen Fall einfach, besonders hier, wo die Kultur sich oft um Alkohol dreht.“
Ein besseres LebenMcGregor, Jeff Bridges und George Clooney v.r.n.l. in „Männer, die auf Ziegen starren“ (2009)
Längst ist der Trinker von einst zu einem ausgeglichenen, fürsorglichen Ehemann und Vater geworden. Neben seinen drei leiblichen Töchtern haben er und seine Frau Eve, eine Produktionsdesignern, ein Mädchen aus der Mongolei adoptiert. Völlig entspannt kann der Schotte heute auf sein Leben zurückblicken: „Ich bin heute ein sehr viel glücklicherer Mensch als damals, als ich noch so viel getrunken habe“, sagt er. Und weiter: „Es war offensichtlich, dass ich zu viel getrunken habe, also musste ich damit aufhören. Ich trinke nie, das ist vorbei, und es macht alles andere so viel einfacher.“ Nachsatz: „Es ist ein besseres Leben.“

Fotos: ewanmcgregor.net (5), GRamercy Pictures/PolyGram Filmed Entertainment / Gramercy Pictures (1), Prokino plus/Central (1)