Warum der Alkohol für Männer so gefährlich ist
Statt Antidepressiva der Griff zum Glas

von Harald Frohnwieser

Warum trinken Männer viel häufiger Alkohol als Frauen – obwohl diese leider hart daran arbeiten, diesbezüglich aufzuholen? Warum gehen sie anstatt zu einem Psychotherapeuten lieber in eine Bar? Und was richtet ein regelmäßiger Alkoholkonsum mit dem Körper und der Psyche des angeblich so starken Geschlechts an? Der Linzer Männer- und Sexualmediziner Dr. Georg Pfau erzählt im „Alk-Info“-Interview aus seiner Praxis und berichtet, dass nicht nur Männer, die in der sogenannten Midlifecrisis sind, in Gefahr laufen, abhängig zu werden, sondern auch viele Jungs, die erschreckend oft am Alkohol hängen. Und er klärt, warum Männer, die häufig Alkohol trinken, im Laufe der Zeit weibliche Hormone entwickeln.

Männer und Alkohol„Keine Droge ist so gefährlich für Männer wie der Alkohol“, sagt Männer- und Sexualarzt Dr. Georg Pfau aus Linz. Von den geschätzten 350.000 Alkoholikern in Österreich sind 80 Prozent Männer, gibt der Mediziner zu bedenken. Georg Pfau weiß, wovon er spricht. In seine Privatpraxis kommen immer wieder männliche Patienten, die zwar nicht exzessiv, dafür aber regelmäßig zu Bier, Wein oder Härterem greifen. Fällt es ihm schwer, die Männer darauf anzusprechen? „Eigentlich nicht“, sagt er im „Alk-Info“-Gespräch, „meine Patienten verlassen auch nicht fluchtartig meine Praxis, wenn ich ihren Alkoholkonsum anspreche, sondern sind meist froh, dass sie mit mir darüber reden können.“ Wobei Georg Pfau einen Vorteil hat: Er behandelt seine Patienten privat und kann sich genügend Zeit für sie nehmen. „Bei einem Kassenarzt wäre das nicht möglich“, ist er überzeugt.
Was aber ist der Grund dafür, warum die Männer sowohl beim Alkoholkonsum als auch beim Alkoholmissbrauch die Frauen weit hinter sich lassen? Der oberösterreichische Männerarzt muss nicht langeMänner- und Sexualarzt Dr. Georg Pfau überlegen. „Die Männer verwenden den Alkohol hauptsächlich als Antidepressivum. Während die Frauen, wenn es ihnen psychisch schlecht geht, zum Arzt oder Therapeuten gehen und sich Antidepressiva verschreiben lassen, betrinken sich die Männer. Sie können sich Defizite weniger eingestehen als es Frauen tun. Der Alkohol gaukelt ihnen dann vor, dass mit ihnen alles in Ordnung wäre“, so der Arzt. Und: „Der Alkohol wird von ihnen aber auch als Mutmacher eingesetzt, wenn es darum geht, eine Frau zu erobern, da fallen Hemmungen weg“, erzählt Georg Pfau aus seiner Praxis.
Letzteres sieht der Arzt und Buchautor zwar nicht negativ, da der Alkohol auf dem Gebiet der Sexualität „eine wichtige Rolle spielt“, aber wenn der Alkohol nur noch eingesetzt wird, um eine gewisse Wirkung zu erzielen und kaum als Genussmittel konsumiert wird, dann kann das ins Auge gehen. Da ist es ihm lieber, wenn sich seine Patienten ab und zu mal einen Rausch antrinken. „Der regelmäßige Konsum ist viel gefährlicher“, ist der Männerarzt überzeugt.
Sinnsuche bei den Älteren und den ganz Jungen
Ab welchem Alter lauern die Gefahren einer Suchtentwicklung? „Da sind einmal die Männer ab 45 Jahren. Die kommen in die Midlifecrisis, stellen fest, dass ihre Manneskraft nachlässt. Da trösten sich nicht wenige mit dem Alkohol darüber hinweg. Und da sind die Jugendlichen. Es ist erschreckend, wie die am Alkohol hängen“, sorgt sich Pfau. Bei den jungen Männern sind es seiner Erfahrung nach vor allem jene, die aus einem guten Haus kommen, die genug Geld haben, deren Weg aber von den Eltern vorgegeben wird. Georg Pfau: „Die sind, so wie die Älteren auch, in einer Sinnkrise, die sie, wie sie glauben, nur mit dem Alkohol bewältigen können.“
Testosteron und Alkohol vertragen sich nicht
Jugendliche und etwas ältere Männer auf der Suche nach sich selbst und ihre Stellung als Mann. Dass der Einsatz von Alkohol dabei kontraproduktiv ist, wissen freilich die wenigsten. „Ein Mensch ohne Testosteron ist eine Frau, ein Mensch mit Testosteron ist ein Mann. So einfach ist das. Und genau mit dem Testosteron verträgt sich der Alkohol ganz und gar nicht. Der hemmende Einfluss von Alkohol auf die Hodentätigkeit ist bekannt, gleichzeitig wird die Testostertonumwandlung in Östrogene (wichtigste weibliche Sexualhormone, Anm.) durch die Aromatase (zentrales Enzym der Biosynthese von Estrogenen, Anm.) aktivierende Wirkung des Alkohols turboartig in die Höhe geschraubt. Tatsächlich wirkt Alkohol verweiblichend auf den Männerkörper“, schreibt der Arzt auf seiner Homepage. Im Klartext: Das Männerhormon Testosteron wird in das Frauenhormon Östradiol umgewandelt. Darauf möchte Georg Pfau besonders hinweisen: „Beachten Sie bitte den nächsten Mann in Ihrer Umgebung, von dem Sie wissen, dass er täglich seine gewisse Dosis braucht. Diese weichen Gesichtszüge, diese rundlichen Körperformen, dieser weibliche Gesichtsausdruck…“ Dazu kommt, dass bei nicht wenigen Männern die Brüste wachsen.
Doch es sind nicht nur die veränderten Formen, die regelmäßig Alkohol trinkende Männer weiblich erscheinen lassen, der Alkohol birgt auch zahlreiche andere Gefahren für das männliche Geschlecht.

Schlafapnoe: Männer schnarchen nach dem Trinken von Alkohol intensiver als Frauen. Daher kommt es bei ihnen öfter zu Atemaussetzer, die die Schlafqualität erheblich beeinträchtigt. Man(n) wacht öfter auf, von einer Erholung oder gesunden Nachtruhe kann keine Rede mehr sein (siehe auch „Keine Chance auf schöne Träume“).

Erektionsstörungen: Der gestörte Hormonhaushalt bewirkt auch das Nachlassen der Manneskraft. Impotenz ist nicht selten die Folge davon, was wiederum die Partnerschaft zwischen Mann und Frau nicht selten zerstört (siehe auch „Mit jedem Glas kommt das Versagen“).

Übergewicht: Männer, die häufig Alkohol trinken, führen ihrem Körper zahlreiche Kalorien zu, was wiederum zu Übergewicht führt. Die daraus entstehenden Herz- und Kreislaufprobleme sind somit vorgezeichnet. Die sichtbare Folge eines alkoholbedingten Übergewichts ist meist ein Bierbauch, der auf Frauen meist sehr unattraktiv wirkt (siehe auch „Starkes Saufen hat Gewicht“).

Selbstüberschätzung und Aggression: Aufgrund des Alkoholkonsums wird sehr viel Dopamin ausgeschüttet. Das sorgt zwar einerseits für ein angenehmes Wohlbefinden, führt aber auch zu einer übersteigenden Selbstüberschätzung. Das aber führt dazu, dass sich Männer im alkoholisierten Zustand eher Gefahren aussetzen, als wenn sie nüchtern sind. Die Selbstüberschätzung wandelt sich sehr oft auch in Aggression um, die sich entweder gegen andere richtet oder gegen sich selbst (siehe auch „Aggressive Impulse auf dem Weg nach außen“).

Zu all den obengenannten Risiken kommt auch noch die Gefahr, an Diabetes zu erkranken, außerdem ist mittlerweile bewiesen, dass Alkohol auch sehr krebsfördernd ist (siehe auch „Um ganze 17 Jahre weniger!“). Generell gilt, dass Männer, die ihr Trinkverhalten nicht in den Griff bekommen und täglich mehr als einen halben Liter Bier oder einen viertel Liter Wein trinken, um 17 Jahre kürzer leben als ihre Geschlechtsgenossen, die weniger oder kaum Alkohol trinken.
Männerarzt Georg Pfau sieht, was die Gefahren des Alkohols betrifft, in der Politik ein großes Versäumnis. „Ich will den Alkohol keinesfalls verbieten und bin dagegen, dass man Alkohol trinkende Menschen so wie mittlerweile die Tabak rauchenden ausgrenzt, aber die Politiker beugen sich leider der Alkohollobby“, kann er kein Verständnis dafür aufbringen, dass die Politik die Augen für die Gefahren des Alkohols so beharrlich verschließt. Und weiter: „Ich vermisse großangelegte Kampagnen, die darauf hinweisen, dass der Alkohol auch ein Suchtmittel sein kann, und zwar ein sehr gefährliches.“

Männer- und Sexualarzt Dr. Georg Pfau
4020 Linz, Frankstraße 23
Tel.: +43 (0)699/178 870 50 (Voranmeldung unbedingt erforderlich!)
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Web-Adresse: www.maennerarzt-linz.at

Foto: richter-fotografie.com (1) Grafik: Thomas Frohnwieser (1)